… Mr Ahrens

von schischeglia

«Mr Ahrens war ein Bücherkenner, ein Sammler von Erstausgaben, ein Schöngeist, der sich für Raritäten interessierte. (…) Niemals, weder vor noch nach Ersamus, hatte es einen fröhlicheren, einen seligeren Begutachter gegeben als ihn. Ihm einfach zuzusehen beim Blättern (…) reichte schon aus, um einem Lust auf ein gutes Buch zu machen, auf eine behagliche Ecke oder Nische am hell flackernden Feuer, auf eine Pfeife – oh, durchaus eine Pfeife! Eine Pfeife! – und auf eine Flasche guten alten Ports (…). Bei seinem Anblick dachte man unwillkürlich an ein romantisches Cottage inmitten einer englischen Landschaft (…).

Mr Ahrens weckte im Menschen die inbrünstige Sehnsucht nach einem solchen Leben, den innigen Wunsch, ‘alles hinter sich zu lassen’ und den Rest seiner Tage in bezaubernder Ländlichkeit, bei beschaulichen Plaudereien mit der Köchin, dem Hausmädchen, dem Pfarrer und den alten Männern im Pub zu verbringen und die Abende im eigenen Cottage, beim Kaminfeuer mit einer Pfeife und einer Flasche alten Ports, in der Gesellschaft eines langhaarigen Hundes, mit einem Buch von Charles Lamb. (…)

Hier, in dem schrillen, ungewissen Leben dieser grossen Stadt, inmitten des blendenden Glitzerns, (…) schien Mr Ahrens die Requisiten für sein eigenes Wohlbehagen bei sich zu haben. Er war seine Pfeife, sein Port, sein Collie, sein behaglicher Kamin, sein englisches Cottage und sein Buch von Charles Lamb. Er musste nirgendwohin reisen, um all dies zu finden, denn er trug es stets mit sich.»

THOMAS WOLFE «Die Party bei den Jacks» («The Party at Jack’s»), 1930-37, übersetzt von Susanne Höbel, Manesse Verlag, Zürich 2011

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